Akzeptieren, was man nicht ändern kann? Eine schwere Übung.
Ich sprach mit einem Freund über eine schwierige Situation mit Menschen aus meinem Alltag. Ich war dünnhäutig, verletzlich und fühlte mich zutiefst ungerecht behandelt. Etwas Trost täte gut. Stattdessen sagte mein Freund: „Akzeptiere, was du nicht ändern kannst!“
Widerwillen
Ich blubberte und schäumte. Schließlich habe ich nichts getan. Wirklich!
Man sagt, dass es in einem Konflikt immer zwei Parteien, zwei Perspektiven und zwei Wahrheiten gibt. Wirklich?
Wenn jemand Streit will, dann reicht das. Für Frieden braucht man zwei, aber für Krieg reicht einer.
Wenn ich mit Freunden über die Situation sprach, hieß es, dass ich diesen Menschen mit Freundlichkeit begegnen solle, ihnen Gutes tue und sie mit Liebe umgebe, damit ein Schmerz in ihnen heil werden könne. Ich grummelte: Was scherte mich ihr Schmerz, wenn sie die Ursache meiner Last waren? Es wäre um so vieles leichter, wenn ich sie nicht sehen müsste. So knabberte ich mich durch meine Verletzlichkeit und meinen Stolz.
Ehrlich sein
Der US-amerikanische Theologe Reinhold Niebur schrieb in den 1930er Jahren ein Gebet über Gelassenheit. Es begegnet uns in uns in Andachtsbüchern, als Sinnspruch oder besticktes Bild.
„Gott, gib mir die Gnade der Gelassenheit, die Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Und Weisheit, um den Unterschied zwischen beidem zu erkennen.“
Es gibt eine Erweiterung des Verses, nur wird er selten zitiert. Darin heißt es, man könne nur einen Tag nach dem nächsten bewältigen und man müsse die schwierige Welt annehmen.
Eins nach dem anderen.
Ich gestehe, dass ich zuerst meine Gefühle sortieren muss und dann lerne, wie ich mit der neuen Situation in meinem Alltag umgehen könnte.
Täglich übe ich, mir die Gelassenheit über die Seele zu streifen. Ich wünschte, die Gelassenheit wäre ein Gewand, in das ich schlüpfen könnte, um mich zu verstecken. Momentan ist meine Gelassenheit nicht größer als ein Topflappen. Immerhin; Mal lege ich mir Gelassenheit auf meinen Kopf und mal aufs Herz.
Lassen. Seinlassen bis...
Seinlassen
Der Mystiker Meister Eckhard (13. Jhd.) prägte den Begriff Gelassenheit. Auf einem Spaziergang kam er an einem See vorbei, der so still dalag, dass sich der Himmel darin spiegelte. Würde er etwas hineinwerfen, würde das Wasser Wellen schlagen. Doch wenn er den See in Ruhe ließe, bliebe er spiegelglatt.
Ich kann nichts geraderücken oder erklären, wenn mein Gegenüber es nicht will. Ich muss es loslassen. Ruhenlassen. Seinlassen, bis sich vielleicht irgendwann der Himmel darin spiegelt. Seinlassen: Sein lassen. G-tt lassen. So häkle ich an meiner Gelassenheit und fühle mich getröstet – Moment für Moment.